• Ein Camp voller Zukunftskompetenzen

    Auf unseren Fortbildungen, bei Konferenzen und während der Challenge haben wir viele aufgeschlossene Lehrende und Lernende kennengelernt die keine Scheu vor neuen Methoden oder Lehrmitteln kennen. Die größten Herausforderungen für innovationswillige Bildungsmacher*innen liegen demnach nicht in deren Veränderungswillen, sondern in ganz alltäglichen Umständen wie den Anforderungen des Lehrplans, skeptischen Kolleg*innen und der eigenen Überlastung. Da wir uns dieser Gegebenheiten bewusst sind, haben wir nicht nur die kostenfreien Toolboxen für die Projektarbeit entwickelt, sondern auch das Format „Baut Eure Zukunft Camps“.

    Was sind Baut Eure Zukunft Camps? 

    Unsere Camps sind im Prinzip eintägige Workshops für Schüler*innen und Lehrer*innen. Während des Workshops arbeiten die Jugendlichen unter Anwendung einer Baut Eure Zukunft Toolbox an Lösungsideen für gesellschaftliche Herausforderungen. Dabei erhalten die Teams konkrete Unterstützung von Design Thinking Trainer*innen, welche den Prozess moderieren und den Schüler*innen helfen in ihrem Tempo am Ball zu bleiben. Dadurch erleben sie Projektarbeit, die nicht nur neue Kompetenzen vermittelt und Spaß macht, sondern auch Themen der Zukunft anpackt. An den Camps können Schüler*innen-Teams der achten bis zehnten Klasse à vier Personen und eine betreuende Person teilnehmen.

    Welche Kompetenzen erlernen die Schüler*innen?

    Wir glauben, dass viele der klassischen Lehr- und Lerninhalte zwar grundlegend notwendig sind, aber auch ein großer Teil mittlerweile veraltet oder gar unnötig für die zukünftige Arbeitswelt ist. Andererseits sollen immer mehr neue Fächer und Inhalte in den Schulen abgedeckt werden.

    Wir möchten mit unseren Projekttagen mit einfach anwendbaren Methoden eine Entlastung für diese Situation schaffen. Unser Ziel ist es, mit Innovations- und Kreativtechniken wie Design Thinking und digitalen Lernmaterialien, junge Menschen für gesellschaftliche Herausforderungen zu sensibilisieren.

    Darum fördern wir

    • Sozial- und Teamkompetenzen
    • Feedback- und Fehlerkultur
    • Kreativität
    • Selbstwirksamkeit
    • Empathievermögen

    Nach dem Camp ist vor dem Bundesfinale

    Diese Projekttage sind eine besondere Erfahrung für Schüler- und Lehrer*innen. Um die Teilnahme für alle zu ermöglichen, stellen wir Trainer*innen, Material, Räumlichkeiten und die Verpflegung zur Verfügung. Die Reisekosten müssen von den teilnehmenden Schulen oder Jugendorganisationen selbst bezahlt werden. Zudem ist durch die Teilnahme an einem Baut Eure Zukunft Camp eine Qualifizierung für das Baut Eure Zukunft Bundesfinale möglich. Bei jedem Camp wird ein Tagessieger-Team gekürt, welches damit automatisch am Bundesfinale in Berlin teilnehmen kann.

    Alle Camp-Termine und Informationen zur Anmeldung finden Sie unter folgendem Link: https://baut-eure-zukunft.eu/camp/.

    Wir freuen uns in Berlin, München, Stuttgart, Hannover, Frankfurt, Düsseldorf und Köln/Bonn auf Sie und ihre Schüler*innen!

  • Chancen statt Zukunftsängste

    Wie weise von der Regierung, dass sie den Geschichtsunterricht schon vor fünfzehn Jahren abgeschafft und durch den Zukunftsunterricht ersetzt hat.

    So schreibt der Autor Marc-Uwe Kling in seinem Roman „QualityLand“ (1) und malt das düstere Bild einer Gesellschaft voller Einstufungen, Bewertungen und Alltagsüberwachung. Eine Welt, die sich niemand wünschen kann und die dennoch nicht allzu weit entfernt ist, wie beispielsweise die Einführung von Chinas digitalem Punktesystem im letzten Jahr zeigt.

    Das Romanzitat lässt zudem an die derzeit herrschende Debatte um zeitgemäßen Unterricht und das als veraltet geltende Schulsystem denken. Um den Jugendlichen Unterrichtsinhalte bieten zu können, die sie tatsächlich auf die Herausforderungen in ihrer Zukunft vorbereiten, engagieren sich bereits viele Lehrer*innen und Initiativen. Denn es schreien nicht zuletzt die Schlagzeilen der renommierten Tageszeitungen von den Dächern, dass es viele Berufsbilder in Zukunft nicht mehr geben wird.

    Doch werden diese Themen in der Schule tatsächlich behandelt? Im Hessischen Lehrplan für den Geschichtsunterricht an der Gymnasialen Oberstufe steht beispielsweise: „Die Schülerinnen und Schüler sollen durch die Beschäftigung mit historischen Inhalten und Fragestellungen einsehen, dass vergangenes Geschehen mit ihrer Gegenwart direkt oder indirekt zusammenhängt, sich auf ihr Leben auswirkt und Bedeutung für ihre Zukunft hat. Sie sollen zu unterscheiden lernen zwischen dem Versuch, vergangenes Geschehen in seiner Zeit zu verstehen, und der Aufgabe, es aus der Sicht der Gegenwart zu beurteilen.“

    Auch in den Lehrplänen der anderen Bundesländer lassen sich entsprechende Passagen zum Thema Zukunft wie „Das 20. Jahrhundert und die Herausforderungen der Zukunft“ (Gemeinschaftskunde, Rheinland-Pfalz) oder „Zukunft von Arbeit und Beruf in einer sich verändernden Industrie-, Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft“ (Politik/Wirtschaft, Nordrhein-Westfalen) finden. Wir können also davon ausgehen, dass die Perspektiven der Schüler*innen allen am Herzen liegen.

    Doch wie nah sind diese Unterrichtsthemen wirklich an der Lebensrealität der Jugendlichen? Lassen sich die Inhalte aus den Lehrplänen auf die persönlichen Wege der Schüler*innen in der Gesellschaft übertragen, wie im hessischen Beispiel angedacht?

    Sicher ist: Das Thema „Zukunftsangst“ nimmt im Alltag der Schüler*innen viel Platz ein. Gerade im Online-Kontext sind die Unsicherheiten und Bedenken Dauerthema bei den 10 bis 18jährigen. Und auch bei der Entwicklung unserer Toolboxen haben die Schüler*innen das Thema selbstständig gewählt.

    Erst im letzten Jahr gab der Deutsche Jugendinstitut e.V. eine Studie mit dem Namen „Was kommt nach der Schule? Wie sich Jugendliche mit Hauptschulbildung auf den Übergang in die Ausbildung vorbereiten“ heraus, die zeigte, dass fast jeder zweite Hauptschüler unter Zukunftsängsten leidet. Die Studienleiterin Birgit Reißig im Interview dem Spiegel auf die Frage nach den größten Problemen der Schüler*innen:

     Diese diffuse Unsicherheit: Die meisten bedrückt es sehr, darüber nachzudenken, was später einmal aus ihnen wird. 40 Prozent der Schüler und 54 Prozent der Schülerinnen treiben Sorgen um die berufliche Zukunft um.

    Spätestens ab der sechsten Klasse steht für die Meisten die erste große Entscheidung mit dem Übergang zur Gesamtschule oder zum Gymnasium an. Oft haben die Erwachsenen, welche das jeweilige Kind umgeben eine klare Meinung zu dieser Entscheidung während fürs Kind der Perspektivenstress beginnt. Danach kommen wichtige Praktika, der übliche Notenstress und die Angst vor der nächsten Zeugnisausgabe. Selten geht der Blick über den Tellerrand der Schulzeit hinaus in die Zeit nach dem Abschluss, wie sich im Gespräch mit den Teilnehmer*innen unserer Projekttage herausgestellt hat.

    Somit ist es nicht verwunderlich, dass auch in den YouTube-VLogs das Thema Zukunftsangst ein präsentes Thema bei jungen Influencer*innen ist. Dennoch werden auch hier die Ratschläge nicht viel konkreter als

    Wenn ihr an irgendetwas glaubt, setzt euch dafür ein und macht es einfach.

    bei Diana zur Löwen oder

    Lasst euch von Leuten in eurem Umfeld sagen, als was sie euch sehen. Denkt nicht zuerst an das Geld, sondern an die Leidenschaft.

    auf dem Kanal von Sonny Loops. Zwar gehen die Vorbilder vieler Jugendlicher auf ihre eigenen Geschichten ein und machen Mut auch ungewöhnliche Wege zu gehen, es fehlen jedoch die tatsächlichen Werkzeuge und Methoden, um zu derlei Erkenntnissen über sich selbst zu gelangen.

    Doch wie können junge Menschen ihre Talente und Leidenschaften entdecken und daraus eine berufliche Perspektiven für sich selbst entwickeln? Eine große Frage, auf die es keine einzig wahre Antwort gibt. Aber mit den Baut Eure Zukunft Toolboxen haben wir einen Hebel und passende Werkzeuge gefunden, die Schüler*innen auf ihren Weg in ein selbstbestimmtes Leben über den Schulunterricht hinaus begleiten können.

    Durch das Erfahren von Selbstwirksamkeit und Kreativität können die Toolboxen Jugendliche soweit auf ihre Rolle in der Gesellschaft von Morgen vorbereiten, dass sie nicht ängstlich, sondern motiviert und zuversichtlich auf die Zeit nach ihrem Schulabschluss schauen. Soft-Skills wie Flexibilität und Teamfähigkeit sind dafür wohl bedeutsamer als bloßer Wissenserwerb. Wenn wir es schaffen, dass Schüler*innen ihre individuellen Qualitäten und Zukunftschancen erkennen, dann haben wir im Design Thinking Prozess mit unseren Materialien etwas erreicht, dass ihnen keiner mehr nehmen kann.

     


    Quellen:

    (1) Kling, Marc-Uwe: Qualityland. Auflage 4., Berlin: Ullstein 2017.

  • Interview mit Marek Fink

    In unserem Aktionsmonat gegen Mobbing ist es uns wichtig, nicht nur auf die Thematik aufmerksam zu machen und ein Zeichen dagegen zu setzen, sondern auch konkrete Tipps zur Prävention vor und zum Umgang mit Mobbing zu geben. Hierfür haben wir mit dem Gründer des Vereins „Zeichen gegen Mobbing e.V.“ Marek Fink ein Interview geführt. Marek beschäftigt sich schon seit seiner Schulzeit mit dem Thema Mobbing, studiert nun Jura und ist der geborene Netzwerker, wenn es um sein Herzensthema geht.

    Baut Eure Zukunft: Hallo Marek! Wie bist Du dazu gekommen, Dich so intensiv mit Mobbing auseinanderzusetzen?

    Marek Fink: Bei mir war es so, dass ich schon immer besonders war und bis heute in keiner Hinsicht einer Norm entspreche. Im Kindergarten kam ich mir das erste Mal dick vor und hab das schnell von anderen zu spüren bekommen. Zum Beispiel ein Freund, der im Streit „Fettsack!“ rief oder die Sportlehrerin, die immer wieder betonte, wie schnell mein Gesicht rot wird oder auch das Gespräch mit dem Kinderarzt, was in meinen Ohren so klang, als wäre ich so, wie ich bin nicht in Ordnung. Als müsste ich etwas ändern, damit ich der Norm entspreche und okay bin, wie ich bin. Noch heute ist es so, dass ich gefragt werde „Hast Du abgenommen, Du siehst gut aus?!“ Dann ist meine Antwort immer: „Wenn ich gut aussehe, weil ich abgenommen habe, habe ich das der Gesellschaft zu verdanken.“ Denn dieses scheinbare Kompliment heißt ja nichts anderes, als „Wenn Du dick bist, siehst Du schlecht aus.“

    Darum habe ich schon ziemlich lange ein Interesse für das Thema Mobbing. Zudem konnte ich das Thema meiner Facharbeit in der 11. Klasse selbst wählen und habe dann über „Mobbing in der Schule“ geschrieben. Im Rahmen dieser Arbeit habe ich auch eine Umfrage an meiner Schule durchgeführt. Zum einen habe ich die Schüler*innen gefragt, wie sie das Thema wahrnehmen und inwiefern sie von Gewalt betroffen sind. Zum anderen habe ich die Lehrkräfte gefragt, wie sie mit dem Thema umgehen und welche Vorkenntnisse sie mitbringen usw. Das Defizit, was sich daraus ergeben hat, war unglaublich groß und hat mich betroffen gemacht. Ich fand die Vorstellung, dass es ganz vielen Kindern an vielen anderen Schulen so geht, echt krass. Da war für mich klar, dass ich etwas tun möchte, um zu helfen.

    Dann habe ich direkt nach der Schule angefangen ein Konzept zu schreiben, wie man Mobbing vorbeugen kann, wie man Kindern dabei helfen kann, ihr Miteinander besser zu gestalten. Für die Entwicklung des Konzeptes brauchte in etwa ein Jahr lang und danach habe ich das an meiner alten Schule als Pilot getestet. Da kam es schon gleich gut an.

    Am Anfang habe ich gesagt, wenn ein Kind zu mir kommt und sagt „Danke, Marek, dass Du dir die Zeit genommen hast. Das hat mir echt geholfen.“, dann hat es sich gelohnt. Genau das ist nach dem ersten Workshop schon passiert und hat mir die Bestätigung und Motivation gegeben weiter zu machen.

    Bis andere Menschen zu mir kamen und mich unterstützen wollten. In dem Moment wurde mir klar, dass es ziemlich cool wäre, eine Plattform zu schaffen, in der sich jeder ganz einfach, unkompliziert und unabhängig vom eigenen Wohnort engagieren kann, um einen eigenen Beitrag gegen Mobbing zu leisten. Und eine Zukunft ohne Mobbing näher zu kommen. Daraus entstand der Verein, der sich 2017 gegründet hat und bis jetzt an Schulen in ganz Niedersachsen Fuß gefasst hat und sich in 2019 auf die anderen Bundesländer ausweiten wird.

    BEZ: Mobbing entsteht oft aus gesellschaftlichen Normen, die in Medien als erstrebenswert dargestellt werden. Glaubst Du, dass wir diese Vorurteile in den Köpfen ändern können? Wo sollten wir damit ansetzen?

    M.F.: Die kurze Antwort darauf ist, dass Diversität und Vielfalt nicht nur ein Potenzial für Diskriminierung bietet, sondern vor allem auch eine Chance ist. Ich finde es unglaublich toll und inspirierend, wenn Menschen mit verschiedenen Charakteren, Eigenschaften und Merkmalen aufeinandertreffen und voneinander profitieren können.

    In der Schule ist es leider eher so, dass die Leistungen im Fokus stehen, nach denen man bewertet wird und man selbst erst mal schauen muss, wo ordne ich mich selbst ein oder wo werde ich hier eingeordnet. Und schon hat man den ersten Stempel aufgedrückt bekommen. Dazu bringt man noch alles von zu Hause und aus seiner Umwelt mit und muss sich fragen, wie passe ich mich am Besten an, um mich in die Klassengemeinschaft einzufügen. Schon das finde ich schade. Denn in dem Moment geht es nicht um Vielfalt oder das Lernen voneinander.

    In der Entwicklung kommt hinzu, dass Kinder auch ihre Grenzen austesten wollen und überlegen, wie sie es schaffen besonders gut oder gar besser als andere dazustehen. Das machen viele, indem sie andere niedermachen. Wenn man den Druck wegnimmt, klar wird, dass keiner an erster Stelle stehen muss und die Grundlage unseres Grundgesetzes vermittelt, dass jeder Mensch wertvoll ist, dann hätten wir schon viel gewonnen. Wir versuchen mit unseren Workshops genau solchen Situationen vorzubeugen und den Kindern Skills an die Hand zu geben, wie sie ihre eigene Zukunft und ihr gemeinsames Miteinander besser gestalten können.

    BEZ: Hast du konkrete Tipps für die Kids, die du uns mitgeben möchtest, wenn sie Mobbing mitbekommen oder gar betroffen sind?

    M.F.: In der Klasse und auch in so einer Mobbingsituation gibt es verschiedene Rollen. Da sind neben dem Betroffenen auch die Akteur*innen, die Mitläufer*innen, die Verstärker*innen und auch die Außenstehenden. In der Schule haben wir meistens die Besonderheit, dass die Außenstehenden in der Mehrzahl sind. Aber auch das bietet wiederum eine Chance.

    Ich glaube, wenn alle begreifen, dass nichts tun auch eine Reaktion und ein Zeichen sind, sondern dass man stattdessen aktiv sein kann und sich positioniert gegen Mobbing, indem man nicht schweigt, nicht mitlacht, nicht anfeuert, dann hat man schon einen riesigen Schritt nach vorne getan.

    Gleichzeitig sprechen wir von einer Situation, aus der die betroffene Person nicht alleine entkommen kann, sondern auf Hilfe von außen angewiesen ist. Da ist es wichtig und hilfreich jemanden zu finden, dem oder der man vertrauen kann. Das ist in der Schule relativ schwer, da wir in der Schule eben auch die Methodik der Sanktionierung finden. Das heißt, die Kinder haben nicht nur den Eindruck, die lehrende Person ist nicht nur eine helfende Person, sondern immer auch eine, die bewertet und bestraft. Dazu kommt natürlich die Hemmschwelle zu den Ansprechpersonen innerhalb der Schule. Gerade Jungs fällt es auch besonders schwer zu sagen, ich bin in einer Situation und weiß nicht, was ich machen oder wie ich reagieren soll. Zuzugeben, dass es einem nicht gut geht, ist ein riesiger Schritt, darum glaube ich, kann es schon helfen, wenn man ein Bewusstsein für die Mobbing-Thematik schafft, indem man sagt, Mobbing kann jeden Menschen treffen und findet unabhängig irgendwelche Merkmale statt. Jeder von Euch kann betroffen sein. Und natürlich braucht es Ansprechpersonen, wie z.B. uns – Wir bauen das Vertrauen zu den Kindern während unserer Workshops auf, damit wir dann gemeinsam schauen können, wie die Lösung aussehen kann. Es braucht auch in der Schule Möglichkeiten, wohin man gehen kann, um sich Hilfe zu holen, wo klar ist, alles, was du hier sagst, wird keine Folgen für dich haben, egal was du mir erzählst.

    BEZ: Glaubst Du, dass sich Schule mit seinen Bewertungskriterien strukturell ändern sollte damit es weniger zu dieser Problematik kommt? Wenn man zum Beispiel mal an den Klassiker „Sportunterricht“ denkt.

    M.F.: Ja, ich glaube, da sollte sich etwas ändern, aber nicht nur um Mobbing entgegen zu wirken. Ich glaube, da hilft es, die Aufmerksamkeit für das Thema, die sich gerade entwickelt weiter darauf zu lenken und die Menschen weiter zu sensibilisieren. Ich glaube, wenn man die Struktur von Schule komplett verändert z.B. von Sportunterricht und dort vielleicht keine Noten mehr gibt, dann schaffen wir eine Schule, die fernab der Realität von Erwachsenen ist. Es wäre nicht zielführend, sondern schade, wenn wir die Kinder von heute nicht auf ihre Zukunft vorbereiten würden.

    BEZ: Hast Du auch noch eine Empfehlung zum Umgang mit Bodyshaming?

    M.F.: Zum einen herrscht in der Gesellschaft ein Irrglaube, dass Menschen abspecken nur, weil man sie besonders häufig darauf hinweist, dass sie nicht der Körpernorm entsprechen. Das ist einfach nicht die Realität, sondern die Betroffenen ziehen sich weiter zurück. Man fördert dadurch Frustessen und bewirkt das ganze Gegenteil und schafft dadurch nur immer weniger Akzeptanz und Toleranz. Deshalb sind wir auch bei so was nicht weit entfernt von Mobbing. Denn es ist durchaus ein Gewaltakt über jemanden herzuziehen und demjenigen so deutlich zu machen, dass man ihn nicht akzeptiert wie er ist. Das ist ein Ausschluss aus der Gesellschaftsnorm. Auch da gilt das Gleiche, wie ich vorhergesagt habe. Man muss anfangen etwas zu tun, indem man aufhört, nichts zu tun.

    Ich wünsche mir, dass die Gesellschaft es schafft, Menschen die nicht der Körpernorm entsprechen als Mensch zu sehen, anstatt als Gegenstand. Jeder Mensch hat Gefühle und man sollte sich bewusst machen, was das eigene Handeln und die eigenen Worte auslösen können.

    BEZ: Was möchtest Du uns noch mitgeben?

    M.F.: Viele Menschen da draußen wissen, dass das Thema Mobbing wichtig ist. Aber fast genauso viele glauben, dass sich etwas ändert, wenn man nichts tut. Ich glaube, hier braucht es ein Umdenken und bin der festen Überzeugung, dass jeder sein eigenes Zeichen gegen Mobbing setzen kann. Unabhängig davon, ob es ein Social-Media-Beitrag ist, eine Klassensituation, bei der man aktiv eingreift und sagt, dass es nicht in Ordnung ist, oder indem man als Betroffener seine eigene Situation nicht akzeptiert wie sie ist.

    Wir beobachten in unseren Workshops extrem häufig, dass die betroffenen Personen es gar nicht mehr wahrnehmen, dass sie von Mobbing betroffen sind und nur die Folgen spüren. Von einem geringen Selbstbewusstsein, Angstzuständen, Selbstzweifeln bis hin zu Depressionen. Sie glauben, dass es normal ist. Aber das ist es nicht. Sich das bewusst zu machen, jede Gelegenheit zu nutzen, um darauf aufmerksam zu machen, dass es nicht okay ist. Das fände ich einen sehr wichtigen Beitrag für ein besseres Miteinander und zu einer Zukunft ohne Mobbing.

  • So war der Projekttag in Zeitz

    Bei einer Weiterbildung mit dem Team von Baut Eure Zukunft und der Netzwerkstelle „Schulerfolg sichern“ kann viel entstehen, wie zum Beispiel ein Projekttag mit Baut Eure Zukunft in Zeitz im Süden Sachsen-Anhalts.

    Brennpunkt heißt nicht gleich schlechte Schule

    Die Sekundarschule III in Zeitz hat nicht selten mit Vorurteilen gegenüber ihrem Standort und der Einordnung als „Brennpunktschule“ zu kämpfen. Dabei bietet die offene Ganztagsschule mithilfe von Sozialpädagog*innen und Schulsozialarbeiter*innen tolle Programme wie Sozialtraining an, engagiert sich als Schule ohne Rassismus und fördert mit kleinen Klassen den Zusammenhalt unter den Schüler*innen. Entsprechend offen, neugierig und experimentierfreudig reagierten Schüler*innen und Lehrer*innen auf den gemeinsamen Projektunterricht mit Baut Eure Zukunft und der Methode Design Thinking.

    Da es um die schülergerechte Gestaltung von Räumen gehen sollte, fiel die Wahl auf unsere offene Toolbox. In der 15 Schüler*innen starken Klasse fanden sich drei Gruppen zu den Themen Schulhof, Klassenzimmer und urbaner Raum zusammen.

    Gemeinsam durch den Design Thinking Prozess

    Der Projekttag begann um 7:30 Uhr mit einem Energizer: Schick-Schnack-Schnuck mit Anfeuern. Damit bekommt man jeden wach: Es bilden sich Paare die jeweils gegeneinander Schnick-Schnack-Schnuck spielen. Wer verliert, muss den Gewinner anfeuern. So gibt es immer größere Gruppen, die sich gegenseitig anfeuern.

    Und nachdem die gemeinsamen Teamregeln geklärt und durch die Schüler*innen ergänzt waren, starteten die Schüler*innen voller Energie in die Recherche und die Herausforderung das Thema umfassend zu verstehen. Durch die bereitgestellten Arbeitsblätter und Video-Einführungen fiel der gemeinsame Einstieg allen ungemein leicht.

    Zur Hofpause ging es in die Interviewphase und nun waren alle Mitschüler*innen und Lehrer*innen aufgefordert den Projektgruppen mit ihrem Wissen zum Thema weiterzuhelfen. Hier gewinnen die Jugendlichen viele neue Einsichten oder Hinweise und werden mit neuen Perspektiven konfrontiert, die sie später in ihre Ideenfindung zur Problemlösung einfließen lassen. 

    Spätestens zur Hofpause hatte es sich unter der gesamten Schülerschaft herumgesprochen, was für einen spannenden Prozess in der siebten Klasse lief. Immer wieder schauten neugierige Lehrer*innen herein und einige Schüler*innen anderer Klassen wollten am liebsten direkt partizipieren. Aus dieser Begeisterung heraus ist der gemeinsame Entschluss entstanden, Baut Eure Zukunft an der gesamten Schule anzubieten.

    Selbstwirksamkeit und kreative Lösungswege

    Zur Projektvorstellung fand sogar der Schuldirektor den Weg ins Klassenzimmer und er teilte die Begeisterung der Klassenlehrerin über die Kreativität der Kinder. Diese hatten vollkommen klare Vorstellungen von ihren Bedürfnissen und verliehen diesen mittels ihrer Prototypen Ausdruck. 

    Stolz präsentierten alle drei Gruppen ihre Lösungen:

    Das Klassenraum-Team wünschte sich vor allem einen zeitgemäßen und mit digitalen Hilfsmitteln versehenen Lernraum. Da es jedoch keine Mittel hierfür gibt, arbeiteten sie direkt an anderen Fördermöglichkeiten und Lösungen, wie z.B. einer Projektpräsentation bei potentiellen Förderern und großen Firmen in der Region.

    Die Gruppe, die sich mit der Schulhofgestaltung auseinandersetzte, sprach sich vor allem für eine verstärkte Begrünung, Ruheoasen und interkulturelle Begegnungsräume für alle Schüler*innen aus. In der Präsentationsphase unterhielten sie sich bereits über konkrete Umsetzungsmöglichkeiten mit dem Direktor und beschlossen gemeinsam Upcycling-Bänke und -Beete aus Paletten herzustellen. Diese direkte Ansprechbarkeit von erwachsenen Entscheidungsträgern, das Gehörtwerden und die gemeinsame Lösungsfindung verliehen ihnen großes Selbstbewusstsein und ließ sie Selbstwirksamkeit erfahren.

    Zuletzt stellte das Team, welches sich mit der Verbesserung des urbanen Raums für Jugendliche beschäftigt hatte, ihre Idee vor. Der Wunsch nach Orten für ganzjährige, kreative Bewegung und Training drückte sich in ihrer Lösung aus: eine Parkourhalle. Während gerade diese Gruppe zu Beginn kaum Motivation für die Partizipation am Projekttag an den den Tag legte, präsentierten sie nun voller Energie und erhielten viel Zustimmung durch ihre Mitschüler*innen.

     

    FEEDBACKKULTUR LEBEN

    Da wir selbst leben, was wir predigen, wollen wir noch dieses tolle Feedback der Sozialpädagogin Suska teilen:

    „Ich habe in den vielen Gesprächen mit Jugendlichen während meiner Arbeit als Sozialpädagogin in Zeitz unheimlich viel Potenzial bei den Jugendlichen aber auch enorm viel Frust erlebt. Der Frust bezieht sich vor allem auf die Stadt und deren Verwaltung. Jedoch kann man durch eine gute Netzwerkarbeit von Stadtverwaltung, Institutionen wie Schulen und Jugendclubs und gemeinsam mit den Jugendlichen, Dinge anstoßen. Oft sind es nur Impulse oder eben solche Veranstaltungen wie mit Euch. Das kennen die Kids nicht, dass sie gefragt werden was sie verändern wollen und können. Mein Traum ist, dass in Zeitz eine Jugendkultur entsteht, die sich selbst organisiert und eine Bereicherung für die Stadt ist.“

    Wir möchten uns für die Unterstützung durch die Macher*innen vom Kloster Posa e.V. bedanken und freuen uns schon auf die drei Projektuploads für die Challenge im neuen Jahr. Für die Umsetzung der Workshopergebnisse wünschen wir gutes Gelingen.

  • Baut Eure Zukunft auf den Bildungstagen

    Dass in Bayern in Sachen zeitgemäßer Bildung so einiges los ist, liest man schon auf diversen Blogs und bei Twitter. Angelina und Uwe wollten es genau wissen und haben sich letztens übers Wochenende auf den Weg zu den Bildungstagen München gemacht. Der erste offizielle Messestand von Baut Eure Zukunft mitsamt Sofa, Workshops und Rollups –  was für eine Aufregung! 

    Wie die Stimmung war, kann man auf unserem Titelbild schon sehr authentisch ablesen. Zwischenzeitlich kann so ein ganzes Wochenende auf einer Konferenz oder Messe präsent zu sein ja auch schon mal ganz schön anstrengend werden. Aber mit dem richtigen Team, dass sich gegenseitig aufmuntert und unterstützt, kann von Messekoller keine Rede sein. 

    Uns hat besonders begeistert, dass für die Schulen und Bildungsmacher in München die Methode des Design Thinkings offenbar keine so große Neuigkeiten ist, wie es uns oft in Berlin begegnet. Somit kamen wir schnell mit unseren Standnachbarn, anderen Bildungsinitiativen und Schulen ins Gespräch. Unsere gemütliche Sofaecke mitsamt Obst und kleinen Snacks hatte eine nahezu magische Wirkung auf die müden Beine von Besucher*innen und Bildungsmacher*innen.

    Flipchart zu Design Thinking

    Was ist Design Thinking eigentlich? Offenbar nichts Neues für die Bayern.

     

    Es ehrt die Lehrer*innen, wenn sie die Vorgehensweise erst vollkommen durchdringen wollen, bevor sie im Unterricht oder an Projekttagen Anwendung findet. Jedoch sind unsere Materialien so ausgearbeitet, dass jede/r Lehrer*in sofort damit loslegen kann.

    – Angelina, Projektassistenz 


    Leider gab es nicht ganz so viele Besucher wie in den letzten Jahren auf der Veranstaltung selbst, wie uns andere Aussteller berichteten. Aber die Vielfalt an Menschen, die mit selbst gegründeten Schulen, Lernferien und

    Methodenkoffer mit PostIts und Stiften

    Wir haben mal so richtig den Methodenkoffer ausgepackt.

    Projekten frischen Wind in die deutsche Bildungslandschaft bringen wollen, war eine echte Inspiration. Zudem sind wir den Organisatoren von den Bildungstagen selbst unglaublich dankbar für die tolle Unterstützung. So ein erster Auftritt will wohl geplant sein und wir konnten sogar soweit begeistern und überzeugen, dass wir eigene, kleine Workshops und Einführungen zu unserem Projekt geben konnten. 

    Der Medienbruch von analog zu digital war deutlich zu spüren. Natürlich wollen alle gerne neue Lehr- und Lernmittel einsetzen, aber auf so einer Bildungsmesse waren deutlich Give Aways, Flyer und große Plakate im Vordergrund. Als eines der aktivsten Teams beim Thema Social Media kam uns jedoch große Offenheit entgegen. Auf unserer Facebook-Seite haben wir unsere Eindrücke sogar in einem kurzen Video zusammengefasst.

    Wir haben schnell gemerkt, wie anziehend ein entspannter, offener Stand voller guter Laune ist und unsere spannenden und zahlreichen Besucher bestätigten diesen Eindruck.

    – Angelina, Projektassistenz

    Die Schule von morgen mit Baut Eure Zukunft


    Eines unserer ganz persönlichen Highlights war das Gespräch mit dem 80-jährigen Herrn Kränz, welcher erst einmal sehr kritisch nachfragte, ob wir denn Bankangestellte seien. Sein wacher Blick auf die Logos unserer Förderer ließ ihn diesen Trugschluss ziehen. Nach längerem Gespräch stellte sich heraus, dass sein reges Interesse an Bildungsveranstaltungen in zu der Erkenntnis gebracht hätten, dass es im Bildungssystem eine Veränderung braucht, auch wenn es bisher so funktioniert hätte. Für ihn war es sehr spannend, wie viele der Bildungsmacher*innen von ihrer Ausbildung her selbst gar keine Lehrer*innen sind. Seinen weisen Rat an uns und unser Projekt wollen wir unseren Leser*innen nicht vorenthalten: 

    Mein ganzes Leben war voller Herausforderungen, aber wissen Sie, es bringt nichts mit dem Strom zu schwimmen.

    Es lohnt sich, seinen eigenen Weg zu gehen. 

    – Herr Kränz, Rentner

    Vorführung der Videos aus der Toolbox

    Unsere zwei YouTuber Henni und Jenni bei ihrer Kino-Premiere.

    Unser Dank gilt Toni für seine großartige Unterstützung bei der Organisation unseres Ausflugs und am Stand selbst!