Bildungswerkstatt 2025
Wie werden junge Menschen zu Demokratinnen und Demokraten?
Das Bildungsprojekt Baut Eure Zukunft entwickelt Ideen für mehr Mitbestimmung im Schulalltag
Kommunikation und Beziehungslernen als Schlüssel
“Wie können wir durch ‚Beziehungslernen‘ echte Beteiligung in der Schule ermöglichen?” Diese Frage stand im Mittelpunkt der dritten Baut Eure Zukunft-Bildungswerkstatt am 24. und 25. November 2025 im bUm – Raum für solidarisches Miteinander in Berlin. Mit einer Rekordteilnahmezahl von rund 60 Jugendlichen und Pädagoginnen und Pädagogen und über 70 Bildungsexpertinnen und -experten aus ganz Deutschland wurden konkrete Lösungsansätze für mehr Mitbestimmung im Schulalltag entwickelt. Der Ansatz: Beziehungslernen als Voraussetzung für gelingende Beteiligung. Was am ersten Tag im Rahmen einer internen Veranstaltung mit Baut Eure Zukunft-Schulen begann, wurde am Folgetag zu einem Forum für alle, die Schule mitgestalten wollen.
Marlene Gourgel, Schülerin der Carlos Schmid Schule in Karlsruhe, brachte auf den Punkt, worauf es ankommt: „Wir müssen zunächst bei uns selbst schauen, was wir tun können, um Veränderungen im Schulalltag anzustoßen. Wir sollten hier rausgehen und überlegen, was wir hiervon unserer Klasse erzählen. Wir müssen den anderen Lust machen, damit sich etwas ändert.“
Von der Diagnose zur Idee
Am ersten Veranstaltungstag analysierten die Jugendlichen, wie sie Kommunikation und Begegnung in der Schule erleben und woran Mitbestimmung in ihren Schulen scheitert. Das Ergebnis: Es fehlt oft nicht nur an Mitbestimmungsgremien, sondern auch an einer Kultur des gegenseitigen Vertrauens, des Feedbacks, der Anerkennung und der Ermächtigung. Die Jugendlichen formulierten es klar: Demokratische Beteiligung funktioniert nur dort, wo positive, respektvolle Verbindungen zwischen Lehrkräften und Lernenden sowie unter den Schülerinnen und Schülern selbst existieren – ein Phänomen, welches Bildungsexpertinnen und -experten „Beziehungslernen“ nennen.
Vier Herausforderungen, viele Lösungen
Am zweiten Tag entwickelten die Teilnehmenden zu vier zentralen Herausforderungen konkrete Lösungsansätze:
„Brücken bauen zwischen den Parteien“
Wenn Schüler:innen, Lehrkräfte, Schulleitung und Eltern nur selten miteinander sprechen, entstehen Vorurteile und Missverständnisse. Die Lösung: Regelmäßige informelle Austauschformate bei Kaffee oder Mittagessen, eine monatliche Task Force für verbindliche Treffen aller Beteiligten und Theater-Workshops zur Stärkung der Empathie füreinander.
„Anders sein aushalten“
Unterschiedliche Meinungen und Hintergründe prallen aufeinander. Die Ideen reichen von gemeinsamen Aktivitäten, die ein „Wir“-Gefühl schaffen, über außerschulische Projekte wie Klassenfahrten oder Rap-Workshops bis hin zu einem neuen Unterrichtsfach „Menschen-Rechte-Dialog“, in dem aktuelle Themen und Sorgen besprochen werden können.
„Mut, sich zu zeigen“
Viele Schüler:innen trauen sich nicht, ihre Meinung zu sagen. Dagegen helfen Wohlfühl-Räume mit Vertrauenslehrkräften und Mental Buddies. Aber auch Maßnahmen zur Stärkung des Klassenzusammenhalts sowie ein anonymer Kummerkasten namens „Kümmerli“, über den auch positives Feedback geteilt werden kann.
„Hierarchische Machtgefälle überwinden“
Wenn Lehrkräfte als unerreichbare Autoritäten wahrgenommen werden, erschwert das den Dialog auf Augenhöhe. Die Vorschläge: Lehrkräfte werden zu Lernbegleitenden in offenen Lernräumen. Aber auch physische Begegnungsorte wie Austauschbänke oder ein Amphitheater können Raum für Gespräche schaffen. Auch machtkritische Selbstreflexion kann zum festen Bestandteil der Schulkultur werden.
Diese Ideen erhielten eine anerkennende Würdigung seitens des Baut Eure Zukunft-Unterstützungskomitees, bestehend aus: Alexander Gallas (Global Co-Head Corporate Social Responsibility, Deutsche Bank), Niels-Holger Schneider (Projektmanager Bildung, Soziales und Kommunikation, Deutsche Bank Stiftung), Arne Halle (Senior Project Manager Bildung und Next Generation, Bertelsmann Stiftung) sowie Nora Schlange-Schöningen (Programmkoordinatorin START4School, START-Stiftung), Norbert Kunz (Gründer und Geschäftsführer Social Impact gGmbH – Agentur für soziale Innovationen). Das Komitee gab den Schülerinnen und Schülern darüber hinaus konkrete Tipps zur Umsetzung ihrer Ideen mit auf den Weg.
Gabriela Spangenberg, Geschäftsführerin der Social Impact gGmbH, betont die Bedeutung solcher Ansätze: „Ein wichtiger Hebel für die Transformation unserer Gesellschaft ist Bildung. Ein Kernauftrag der Social Impact – Agentur für soziale Innovationen wird deshalb immer die Entwicklung von Bildungsinnovationen bleiben. Unterricht ist der zentrale Faktor im Bildungssystem. Wie mit Innovationsmethoden der Unterricht der Zukunft gestaltet werden kann, das beweist Baut Eure Zukunft mittlerweile seit acht Jahren.“
Was wirklich zählt in Sachen Demokratie
„Die Bildungswerkstatt hat eindrucksvoll gezeigt, wie viel in jungen Menschen steckt, wenn man ihnen den Raum gibt, eigene Lösungen zu entwickeln“, so Alexander Gallas, Global Co-Head Corporate Social Responsibility, Deutsche Bank. „Die Ideen, die hier entstanden sind, machen deutlich: Jugendliche wissen genau, was es braucht, damit Mitbestimmung in der Schule gelingt. Entscheidend ist jetzt, dass Schülerinnen und Schüler sowie engagierte Lehrkräfte und Schulleitungen bei der Umsetzung nicht allein gelassen werden. Wenn externe Partner dazukommen, entsteht oft mehr Dynamik.“
„Die Konzepte, die auf der Bildungswerkstatt entstanden sind, zeigen eines sehr deutlich: Junge Menschen wollen und können Verantwortung übernehmen“, so Niels-Holger Schneider von der Deutschen Bank Stiftung. „Aber Beteiligung braucht ein Fundament. Wenn Schülerinnen und Schüler spüren, dass ihre Stimme zählt und ihre Ideen ernst genommen werden, dann entsteht Mut zur Mitgestaltung des Schulalltags.“
Uwe Birkel, Projektleiter von Baut Eure Zukunft, brachte es auf den Punkt: „Schülerinnen und Schüler sind genervt von einer theoretischen Demokratiebildung im Politik- und Geschichtsunterricht in einer zutiefst hierarchischen Institution Schule. Sie wollen Demokratie erleben. Jeden Tag im Umgang miteinander. Wir ‚Erwachsenen‘ müssen endlich begreifen, dass wir die Demokratie verlieren werden, wenn wir junge Menschen nicht dafür begeistern, sie zu gestalten. Unsere Bitte, unsere Forderung an die jungen Menschen lautet: Nehmt die Verantwortung an! Macht es besser, als wir selbst es gemacht haben. Es geht um eure, um unsere Zukunft.”
Neun Organisationen, ein Ziel
Auf dem „Markt der Möglichkeiten“ bewiesen neun Bildungsorganisationen wie vielfältig Demokratiebildung aussehen kann. Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung präsentierte ihre bundesweiten Teilhabeprogramme. Edusiia stand für digitale und analoge Vernetzungs- und Kooperationsansätze. Die Helga Breuninger Stiftung stellte ihr Konzept des Beziehungslernens in der Lernbegleitungsausbildung vor. Das Internationale Rescue Committee präsentierte die Healing Classrooms für geflüchtete Kinder. Minor – Projektkontor für Bildung und Forschung präsentierte Projekte zu Migration und Integration. Außerdem dabei: Die Initiative Starke Schule der Hertie-Stiftung mit einer Demokratietoolbox und The Toolbox is You! mit Achtsamkeits-Methoden, sowie der Duke of Edinburgh’s Award mit seinem Programm zur Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen. Wichtige Impulse zum Thema lieferte auch das Netzwerk Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage.
Über das Bildungsprojekt Baut Eure Zukunft
Junge Menschen stehen im 21. Jahrhundert vor ganz neuen Herausforderungen. Baut Eure Zukunft will sie dafür fit machen. Das Projekt fördert die notwendigen Potenziale und ermöglicht Jugendlichen, wichtige Schlüsselqualifikationen zu erwerben und auszubauen, während sie im Team Lösungen für individuelle und gesellschaftliche Herausforderungen erarbeiten. Baut Eure Zukunft stellt kostenfreie Arbeitsmaterialien zur Verfügung und bietet Fortbildungen, Workshops, Projekttage und Events für Schülerinnen und Schüler sowie und Pädagoginnen und Pädagogen. Im Jahr 2025 hat das Projekt mehr als 20.000 junge Menschen und Lehrkräfte durch Präsenz- und Online-Fortbildungen, Projekttage, Vorträge sowie Sonderveranstaltungen erreicht. Die Unterrichtsmaterialien wurden über 900 Mal für die Projektarbeit heruntergeladen. Das Leuchtturmschulprogramm ermöglicht es, mit Hilfe von Design Thinking, Lernprozesse in der Schule neu zu gestalten. Das Bildungsprojekt Baut Eure Zukunft ist eine Initiative von Social Impact gGmbH – Agentur für soziale Innovationen, in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank und der Deutschen Bank Stiftung. Seit 2025 wird es durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert.
An der Bildungswerkstatt 2025 nahmen folgende Schulen teil:
- Anna-Essinger-Gemeinschaftsschule (Berlin)
- Berufskolleg am Haspel, Wuppertal (Nordrhein-Westfalen)
- Berufsbildende Schulen, Uelzen (Niedersachsen)
- Carl-von-Ossietzky-Gymnasium (Berlin)
- Carlo Schmid Schule, Karlsruhe (Baden-Württemberg)
- Don-Bosco-Schule, Rostock (Mecklenburg-Vorpommern)
- Gail-Halvorsen-Schule (Berlin)
- Gesamtschule Ebsdorfer Grund, Ebsdorfergrund (Hessen)
- Grund- und Oberschule, Wilhelmshorst (Brandenburg)
- Löcknitz-Grundschule (Berlin)
- Mathilde-Anneke-Schule, Sprockhövel (Nordrhein-Westfalen)
- Mittelschule an der Perlacher Straße, München (Bayern)
- Oberschule Theodor Fontane mit Primarstufe, Potsdam (Brandenburg)
- Regionales Berufliches Bildungszentrum, Müritz (Mecklenburg-Vorpommern)
- Schuelerschule, Pinneberg (Schleswig-Holstein)
- Schweizerhof Grundschule (Berlin)
- Theodor-Heuss-Realschule, Lüdenscheid (Nordrhein-Westfalen)
- UniverSaale, Jena (Thüringen)
BiLdergalerie
Fotos: Johanna Maria Dietz
Graphic Recordings
Graphic Recordings: Sebastian Lörscher
Markt der Möglichkeiten
Auch in diesem Jahr stellten Bildungsorganisationen und -einrichtungen sowie viele Stiftungen ihre Projekte und Angebote zum Thema „Demokratiebildung“ auf dem Markt der Möglichkeiten vor.
Diese Organisationen und Stiftungen waren 2025 dabei:
Der Termin für die Bildungswerkstatt 2026 wird verkündet, sobald er feststeht.