• So war der Projekttag in Zeitz

    Bei einer Weiterbildung mit dem Team von Baut Eure Zukunft und der Netzwerkstelle „Schulerfolg sichern“ kann viel entstehen, wie zum Beispiel ein Projekttag mit Baut Eure Zukunft in Zeitz im Süden Sachsen-Anhalts.

    Brennpunkt heißt nicht gleich schlechte Schule

    Die Sekundarschule III in Zeitz hat nicht selten mit Vorurteilen gegenüber ihrem Standort und der Einordnung als „Brennpunktschule“ zu kämpfen. Dabei bietet die offene Ganztagsschule mithilfe von Sozialpädagog*innen und Schulsozialarbeiter*innen tolle Programme wie Sozialtraining an, engagiert sich als Schule ohne Rassismus und fördert mit kleinen Klassen den Zusammenhalt unter den Schüler*innen. Entsprechend offen, neugierig und experimentierfreudig reagierten Schüler*innen und Lehrer*innen auf den gemeinsamen Projektunterricht mit Baut Eure Zukunft und der Methode Design Thinking.

    Da es um die schülergerechte Gestaltung von Räumen gehen sollte, fiel die Wahl auf unsere offene Toolbox. In der 15 Schüler*innen starken Klasse fanden sich drei Gruppen zu den Themen Schulhof, Klassenzimmer und urbaner Raum zusammen.

    Gemeinsam durch den Design Thinking Prozess

    Der Projekttag begann um 7:30 Uhr mit einem Energizer: Schick-Schnack-Schnuck mit Anfeuern. Damit bekommt man jeden wach: Es bilden sich Paare die jeweils gegeneinander Schnick-Schnack-Schnuck spielen. Wer verliert, muss den Gewinner anfeuern. So gibt es immer größere Gruppen, die sich gegenseitig anfeuern.

    Und nachdem die gemeinsamen Teamregeln geklärt und durch die Schüler*innen ergänzt waren, starteten die Schüler*innen voller Energie in die Recherche und die Herausforderung das Thema umfassend zu verstehen. Durch die bereitgestellten Arbeitsblätter und Video-Einführungen fiel der gemeinsame Einstieg allen ungemein leicht.

    Zur Hofpause ging es in die Interviewphase und nun waren alle Mitschüler*innen und Lehrer*innen aufgefordert den Projektgruppen mit ihrem Wissen zum Thema weiterzuhelfen. Hier gewinnen die Jugendlichen viele neue Einsichten oder Hinweise und werden mit neuen Perspektiven konfrontiert, die sie später in ihre Ideenfindung zur Problemlösung einfließen lassen. 

    Spätestens zur Hofpause hatte es sich unter der gesamten Schülerschaft herumgesprochen, was für einen spannenden Prozess in der siebten Klasse lief. Immer wieder schauten neugierige Lehrer*innen herein und einige Schüler*innen anderer Klassen wollten am liebsten direkt partizipieren. Aus dieser Begeisterung heraus ist der gemeinsame Entschluss entstanden, Baut Eure Zukunft an der gesamten Schule anzubieten.

    Selbstwirksamkeit und kreative Lösungswege

    Zur Projektvorstellung fand sogar der Schuldirektor den Weg ins Klassenzimmer und er teilte die Begeisterung der Klassenlehrerin über die Kreativität der Kinder. Diese hatten vollkommen klare Vorstellungen von ihren Bedürfnissen und verliehen diesen mittels ihrer Prototypen Ausdruck. 

    Stolz präsentierten alle drei Gruppen ihre Lösungen:

    Das Klassenraum-Team wünschte sich vor allem einen zeitgemäßen und mit digitalen Hilfsmitteln versehenen Lernraum. Da es jedoch keine Mittel hierfür gibt, arbeiteten sie direkt an anderen Fördermöglichkeiten und Lösungen, wie z.B. einer Projektpräsentation bei potentiellen Förderern und großen Firmen in der Region.

    Die Gruppe, die sich mit der Schulhofgestaltung auseinandersetzte, sprach sich vor allem für eine verstärkte Begrünung, Ruheoasen und interkulturelle Begegnungsräume für alle Schüler*innen aus. In der Präsentationsphase unterhielten sie sich bereits über konkrete Umsetzungsmöglichkeiten mit dem Direktor und beschlossen gemeinsam Upcycling-Bänke und -Beete aus Paletten herzustellen. Diese direkte Ansprechbarkeit von erwachsenen Entscheidungsträgern, das Gehörtwerden und die gemeinsame Lösungsfindung verliehen ihnen großes Selbstbewusstsein und ließ sie Selbstwirksamkeit erfahren.

    Zuletzt stellte das Team, welches sich mit der Verbesserung des urbanen Raums für Jugendliche beschäftigt hatte, ihre Idee vor. Der Wunsch nach Orten für ganzjährige, kreative Bewegung und Training drückte sich in ihrer Lösung aus: eine Parkourhalle. Während gerade diese Gruppe zu Beginn kaum Motivation für die Partizipation am Projekttag an den den Tag legte, präsentierten sie nun voller Energie und erhielten viel Zustimmung durch ihre Mitschüler*innen.

     

    FEEDBACKKULTUR LEBEN

    Da wir selbst leben, was wir predigen, wollen wir noch dieses tolle Feedback der Sozialpädagogin Suska teilen:

    „Ich habe in den vielen Gesprächen mit Jugendlichen während meiner Arbeit als Sozialpädagogin in Zeitz unheimlich viel Potenzial bei den Jugendlichen aber auch enorm viel Frust erlebt. Der Frust bezieht sich vor allem auf die Stadt und deren Verwaltung. Jedoch kann man durch eine gute Netzwerkarbeit von Stadtverwaltung, Institutionen wie Schulen und Jugendclubs und gemeinsam mit den Jugendlichen, Dinge anstoßen. Oft sind es nur Impulse oder eben solche Veranstaltungen wie mit Euch. Das kennen die Kids nicht, dass sie gefragt werden was sie verändern wollen und können. Mein Traum ist, dass in Zeitz eine Jugendkultur entsteht, die sich selbst organisiert und eine Bereicherung für die Stadt ist.“

    Wir möchten uns für die Unterstützung durch die Macher*innen vom Kloster Posa e.V. bedanken und freuen uns schon auf die drei Projektuploads für die Challenge im neuen Jahr. Für die Umsetzung der Workshopergebnisse wünschen wir gutes Gelingen.

  • Tag zwei des Bundeswettbewerbs 2018

    Der zweite Tag der Challenge fand im Quartier Zukunft der Deutschen Bank in der Friedrichstraße statt. Auch hier hatten alle Schülertteams ihre eigenen Arbeitsplätze und erhielten zudem Unterstützung durch Mentor*innen der Deutschen Bank. Durch die nahegelegene Unterbringung im City Hostel Berlin kamen alle Teams hoch motiviert an und legten direkt wieder los, wo sie am Tag zuvor aufgehört hatten. Die Stimmung war den ganzen Tag über voller Energie und auch, wenn das Quartier Zukunft in seinem Normalzustand schon nichts mit einer klassischen Bank zu tun hat, sondern eher einem kreativen Coworkings Space gleicht, war dieser Tag spürbar besonders.

    Innerhalb des Design Thinking Prozesses standen die Phasen Ideen finden und Ideen auswählen, sowie das Prototyping auf dem Programm. Besonders auf das Prototyping, also das Realisieren und Erfahrbarmachen ihrer Ideen hatten sich die Schüler*innen schon von Beginn an gefreut.

    Und nach fieberhaftem Basteln, Verfeinern, Anpassen und geheimem Üben der jeweiligen Präsentation war es endlich so weit: Der Pitch auf der Bühne stand an. Die zahlreichen Besucher sahen sieben kreative und einzigartige Prototypen. Die Schüler*inne boten mit wunderbaren Modelbauten, darstellendem Spiel, Plakaten und Performances eine große Bandbreite dar und antworteten souverän auf die Fragen der Jury.

    Diese, bestehend aus Joana Breidenbach (Gründerin betterplace.org), Kerstin Heuer (Gründerin Futurepreneur e.V.), Heinz-Jürgen Rickert (Bundeskoordinator UNESCO Projektschulen), Kai-Arno Jensen (Deutsche Bank – Managing Director Geschäftsbereich PW und CC), Michael Münch (Deutsche Bank Stiftung- stellvertretender Vorsitzender) und Norbert Kunz (Gründer Social Impact gGmbH) tat sich mit ihrer Entscheidung offenbar nicht leicht.

    Doch bevor die Entscheidung verkündet wurde, überließ der Moderator Daniel Fischer den Künstlern Rico und Reza von der gemeinnützigen Organisation Heartbeat Edutainment die Bühne. Sie hatten sich die Schüler*in Jule vom Nandu e.V. zur Unterstützung beim Poetry Slam auf die Bühne geholt. Der interaktive Rap zu den Präsentationen aller sieben Teams endete mit einem gemeinsamen Refrain aller:

    „Baut Eure Zukunft – wir bewegen die Welt,

    Dabei sein ist alles, Sei immer du selbst,

    Jeder von uns ist als Sieger*in geboren,

    Klappt es beim ersten Mal noch nicht,

    Mach es wieder von vorn!“

    Was für ein bewegender Moment und noch Weitere sollten folgen: zuerst die wunderbare Nachricht, dass es keine Verlierer*innen des Wettbewerbs geben würde. Jedes Team erhielt die Zusicherung von 500 Euro mitsamt Unterstützung bei der Umsetzung ihres Projektes von der Deutschen Bank.

    Den zweiten Platz das Team „The Fantastic Four“ bestehend aus Emma, Leonie, Dominic und Luca von der Paul-Robeson-Oberschule. Hierfür erhalten sie 5000 Euro und wollen damit eine Lernoase für Chancengleichheit für alle Schüler*innen schaffen.

    Der erste Platz des Bundeswettbewerbs ging an „Die dingmaater Backehörncha“Charlotte, Alexander, David und Tobias vom Leibniz-Gymnasium St. Ingbert. Ihr Ziel mit dem Preisgeld von 10.000 Euro ist die Förderung von gemeinschaftlichen, sportlichen Aktivitäten in der Region. Dies dient der Sensibilisierung der Gesellschaft zum Thema Armut und ermöglicht von Armut betroffenen Kindern die Teilhabe an Freizeitaktivitäten.

    Wir bedanken uns bei allen Teilnehmer*innen, Besucher*innen und Unterstützer*innen für diese zwei wunderbaren Tage und freuen uns schon sehr auf die nächste Runde. Denn es gibt nichts Schöneres, als in jungen Menschen die Erkenntnis zu wecken, wie viele Möglichkeiten und wie viele Fähigkeiten in ihren Händen liegen, ihnen freudvolle Erlebnisse und positive Erfahrungen zu schenken, welche ihnen auch in Zukunft von Nutzen sein werden.

  • Baut Eure Zukunft auf den Bildungstagen

    Dass in Bayern in Sachen zeitgemäßer Bildung so einiges los ist, liest man schon auf diversen Blogs und bei Twitter. Angelina und Uwe wollten es genau wissen und haben sich letztens übers Wochenende auf den Weg zu den Bildungstagen München gemacht. Der erste offizielle Messestand von Baut Eure Zukunft mitsamt Sofa, Workshops und Rollups –  was für eine Aufregung! 

    Wie die Stimmung war, kann man auf unserem Titelbild schon sehr authentisch ablesen. Zwischenzeitlich kann so ein ganzes Wochenende auf einer Konferenz oder Messe präsent zu sein ja auch schon mal ganz schön anstrengend werden. Aber mit dem richtigen Team, dass sich gegenseitig aufmuntert und unterstützt, kann von Messekoller keine Rede sein. 

    Uns hat besonders begeistert, dass für die Schulen und Bildungsmacher in München die Methode des Design Thinkings offenbar keine so große Neuigkeiten ist, wie es uns oft in Berlin begegnet. Somit kamen wir schnell mit unseren Standnachbarn, anderen Bildungsinitiativen und Schulen ins Gespräch. Unsere gemütliche Sofaecke mitsamt Obst und kleinen Snacks hatte eine nahezu magische Wirkung auf die müden Beine von Besucher*innen und Bildungsmacher*innen.

    Flipchart zu Design Thinking

    Was ist Design Thinking eigentlich? Offenbar nichts Neues für die Bayern.

     

    Es ehrt die Lehrer*innen, wenn sie die Vorgehensweise erst vollkommen durchdringen wollen, bevor sie im Unterricht oder an Projekttagen Anwendung findet. Jedoch sind unsere Materialien so ausgearbeitet, dass jede/r Lehrer*in sofort damit loslegen kann.

    – Angelina, Projektassistenz 


    Leider gab es nicht ganz so viele Besucher wie in den letzten Jahren auf der Veranstaltung selbst, wie uns andere Aussteller berichteten. Aber die Vielfalt an Menschen, die mit selbst gegründeten Schulen, Lernferien und

    Methodenkoffer mit PostIts und Stiften

    Wir haben mal so richtig den Methodenkoffer ausgepackt.

    Projekten frischen Wind in die deutsche Bildungslandschaft bringen wollen, war eine echte Inspiration. Zudem sind wir den Organisatoren von den Bildungstagen selbst unglaublich dankbar für die tolle Unterstützung. So ein erster Auftritt will wohl geplant sein und wir konnten sogar soweit begeistern und überzeugen, dass wir eigene, kleine Workshops und Einführungen zu unserem Projekt geben konnten. 

    Der Medienbruch von analog zu digital war deutlich zu spüren. Natürlich wollen alle gerne neue Lehr- und Lernmittel einsetzen, aber auf so einer Bildungsmesse waren deutlich Give Aways, Flyer und große Plakate im Vordergrund. Als eines der aktivsten Teams beim Thema Social Media kam uns jedoch große Offenheit entgegen. Auf unserer Facebook-Seite haben wir unsere Eindrücke sogar in einem kurzen Video zusammengefasst.

    Wir haben schnell gemerkt, wie anziehend ein entspannter, offener Stand voller guter Laune ist und unsere spannenden und zahlreichen Besucher bestätigten diesen Eindruck.

    – Angelina, Projektassistenz

    Die Schule von morgen mit Baut Eure Zukunft


    Eines unserer ganz persönlichen Highlights war das Gespräch mit dem 80-jährigen Herrn Kränz, welcher erst einmal sehr kritisch nachfragte, ob wir denn Bankangestellte seien. Sein wacher Blick auf die Logos unserer Förderer ließ ihn diesen Trugschluss ziehen. Nach längerem Gespräch stellte sich heraus, dass sein reges Interesse an Bildungsveranstaltungen in zu der Erkenntnis gebracht hätten, dass es im Bildungssystem eine Veränderung braucht, auch wenn es bisher so funktioniert hätte. Für ihn war es sehr spannend, wie viele der Bildungsmacher*innen von ihrer Ausbildung her selbst gar keine Lehrer*innen sind. Seinen weisen Rat an uns und unser Projekt wollen wir unseren Leser*innen nicht vorenthalten: 

    Mein ganzes Leben war voller Herausforderungen, aber wissen Sie, es bringt nichts mit dem Strom zu schwimmen.

    Es lohnt sich, seinen eigenen Weg zu gehen. 

    – Herr Kränz, Rentner

    Vorführung der Videos aus der Toolbox

    Unsere zwei YouTuber Henni und Jenni bei ihrer Kino-Premiere.

    Unser Dank gilt Toni für seine großartige Unterstützung bei der Organisation unseres Ausflugs und am Stand selbst!